Wednesday, July 11, 2007

Was das Tragen von Unterwäsche mit der Lese- und Schreibfähigkeit zu tun hat....

Klingt albern, hat aber einen wahren Kern....
Bislang galt für selbstverständlich, dass mit dem Aufkommen der Druckerpresse und des Buchdrucks Bücher billiger und daher auch in größeren Massen produziert werden konnten. Die dadurch erreichte höhere Verfügbarkeit von kostengünstigem 'Lesematerial' sei auch verantwortlich für die gegen Ende des Mittelalters ansteigenden Zahl Lese- und Schreibkundiger unter der damaligen Bevölkerung.

Marco Moster vom 'Centre for Medieval Studies' an der Universität Utrecht sieht Ursache für die billigere Buchproduktion allerdings weniger in der Erfindung der Druckerpresse und des Gutenbergschen Druckverfahrens als vielmehr in der ebenfalls zu dieser Zeit aufkommenden Verfügbarkeit von billigem Papier. Papier fand erst relativ spät seinen Weg nach Europa. Die erste Papiermühle in Deutschland begann erst Mitte des 14. Jahrhunderts mit ihrer Arbeit (1389, die 'Gleismühl' in Nürnberg) [1] und Gutenberg musste das Papier, das für seine Prachtbibel vorgesehen war noch mühsam aus Italien importieren [2].

Doch Papier war von Anfang an weitaus billiger als das edle Pergament, das in einem arbeitsintensiven Herstellungsverfahren aus Tierhäuten gewonnen wurde. Doch woher kam das billige Papier? Grundstoff der Papierherstellung war Hadern, d.h. alte Stoffe, Lumpen, Kleidung und der daraus gewonnene Zellstoff (Zellulose). Die Stoffreste wurden in Wasser eingeweicht, einem Faulungsprozess unterzogen und schließlich in einem Stampfwerk zu Zellstoff zerfasert, der anschließend aus dem Wasser mit Sieben als Papier 'geschöpft' wurde.
Das Interessante an Mosters These liegt darin, dass er den Grund für das vermehrt günstig hergestellte Papier damit in Verbindung bringt, dass zur selben Zeit eine Landflucht hin in die Städte einsetzte. Zeitgleich kam das Tragen von Unterwäsche damals verstärkt in Mode, so dass in den Städten abgetragene Unterwäsche in stetig wachsender Menge als Lumpen und damit als begehrter Grundstoff für die Papierproduktion zur Verfügung stand....

...so nachzulesen bei EurekaAlert! vom 09. Juli 2007 via omnibrain- Dort kann man sogar die Replik einer Original mittelalterlichen Unterhose bewundern....

Literatur:
[1] Katharina Kramer: Ein wahrhaft revolutionärer Stoff, SZ am Wochenende vom 23. März, 2002.
[2] U. Reher, K.M. Wustrack: Gutenberg Bibel, Pressedienst "Gutenberg 2000", Sept. 1997.

1 comment:

Markus said...

Interessanter Zusammenhang von Unterwäsche und Buchdruck. Jetzt fehlt nur noch die literarische Verarbeitung durch Umberto Eco: Der Name der Hose (Il nome dei pantaloni). ;-)